Selbstständige können entscheiden, ob sie sich privat oder gesetzlich versichern lassen – das ist bekannt. Wenn du dich als Selbstständiger für eine private Versicherung entscheidest, hast du in den meisten Fällen die Qual der Wahl, denn es gibt unzählige Anbieter privater Versicherungen, die dir allesamt die besten Leistungen zu guten Konditionen anbieten. Eine private Krankenversicherung für Selbstständige abzuschließen, kann also im ersten Moment etwas überwältigend wirken. Auf jeden Fall solltest du dich aber mit diesem Thema auseinandersetzen, denn für Selbstständige ist eine PKV meistens wirtschaftlich von Vorteil.
Um dir einen kompakten Überblick zu verschaffen, haben wir in diesem Beitrag die Vorteile einer privaten Krankenversicherung für Selbstständige herausgearbeitet und beantworten dir einige der meistgestellten Fragen zum Thema „PKV für Selbstständige“.
Einkommensunabhängig privat versichern
Nicht jeder darf sich privat versichern, weshalb die private Krankenversicherung in Deutschland nicht so weit verbreitet ist und nicht so viele Mitglieder zählt, wie die gesetzliche Krankenversicherung. In Deutschland dürfen sich Beamte, Studierende und Selbstständige einkommensunabhängig privat versichern. Angestellte mit einem Einkommen über der Jahresarbeitsentgeltgrenze (Stand 2022: 64.350 Euro/Jahr) haben ebenfalls das Privileg, sich zwischen der gesetzlichen und der privaten Krankenversicherung entscheiden zu dürfen.
Selbstständig und Arbeitnehmer
Bist du selbstständig und gleichzeitig Arbeitnehmer, fällst du in den Topf der Angestellten. So darfst du dich, wie oben bereits beschrieben, nur privat versichern, wenn dein Einkommen über der Jahresarbeitsentgeltgrenze liegt und du ca. 5.400 Euro pro Monat verdienst.
Komplett Selbstständig
Bist du nun komplett selbstständig, darfst du selbst die Entscheidung treffen, für welche Krankenversicherung du dich entscheidest. Jedoch musst du sowohl in der privaten Krankenversicherung als auch in der gesetzlichen deinen monatlichen Versicherten-Beitrag komplett alleine zahlen. In der privaten Versicherung musst du auch für alle Leistungen und Behandlungen selbst zahlen. Im Nachhinein bekommst du aber durch die Beitragsrückerstattung die Kosten von deiner Versicherung zurückerstattet.
Für beide Versicherungen gilt außerdem: Selbstständige bekommen keine Zuschüsse, wie es bei Rentnern und Angestellten der Fall ist.
Gesetzlich versichert
Die monatlichen Beiträge, die in der gesetzlichen Versicherung von Selbstständigen zu zahlen sind, richten sich nach der gesamten wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Person. So werden Mieteinnahmen, Einnahmen aus der Selbstständigkeit und alle weiteren Einnahmen zusammengerechnet. Liegen die gesamten Einnahmen über der Beitragsbemessungsgrenze, zahlt der Selbstständige den Höchstbeitrag der GKV, der bei über 900 Euro monatlich liegt. Hier kann es des Öfteren interessanter sein, eine PKV abzuschließen, da oft mit weniger Kosten und besseren Leistungen zu rechnen ist. Somit musst du selbst den passenden Tarif finden, mit dem du dich wohlfühlst.
Privat versichert
Eine private Krankenversicherung für Selbstständige findet sich oft schon für ca. 350 bis 500 Euro monatlich mit Selbstbehalt. Je nach Versicherung, Monatsbetrag und Leistungen fällt der Selbstbehalt unterschiedlich hoch aus. Ein Blick in die Basis- oder Standard-Tarife lohnt sich auf jeden Fall, denn diese bieten in den meisten Fällen die gleichen Leistungen wie eine gesetzliche Versicherung an, können aber günstiger sein, falls deine Einnahmen sehr hoch sind.
Unterschiede zwischen GKV und PKV
Noch einmal im Überblick die größten Unterschiede zwischen gesetzlichen Krankenversicherungen und privaten Krankenversicherungen:
Gesetzliche Krankenversicherung
- Grundversicherung, die unabhängig von Alter, Einkommen und Gesundheitszustand die gleichen Leistungen für alle bietet
- Der Beitrag der Versicherung errechnet sich durch dein Einkommen, weshalb du mit einem höheren Einkommen auch mehr zahlst.
- Die Zahlung eines Zusatzbeitrags.
- Die Leistungen können zu jeder Zeit von der Versicherung angepasst werden.
- Es können Familienmitglieder ohne Einkommen mitversichert werden.
Private Krankenversicherung
- Dein Kassenbeitrag wird nicht mehr abhängig von deinem Gehalt gezahlt, sondern du vereinbarst individuell einen Beitrag mit der Krankenkasse.
- Bekomme Beiträge von deiner Krankenkasse zurück, wenn du längere Zeit nicht beim Arzt warst.
- Du zahlst nur die Leistungen, die du auch wirkliche benötigst und die vereinbarten Leistungen werden garantiert.
- Du hast deutlich kürzere Wartezeiten bei Ärzten und Spezialisten und bekommst bspw. bei Krankenhausaufenthalten ein Einzelzimmer und hast teilweise auch freie Arztwahl.
- Durch die Altersrückstellung kannst du für höhere Kosten im Alter vorsorgen, um solche auch im Alter bezahlbar zu machen.
- Beiträge der privaten Krankenkasse können steuermindernd geltend gemacht werden.
Was zeichnet die private Krankenkasse für Selbstständige aus?
Die oben genannten Punkte verdeutlichen bereits einige der Vorteile, die eine private Krankenkasse für Menschen mit einer selbstständigen Tätigkeit hat. Besonders sind hier aber die gewünschten Leistungen sowie die günstigeren Tarife, bzw. die Kombination beider Elemente.
Dadurch, dass es dazu kommen kann, dass du eventuell sehr viel für eine gesetzliche Krankenversicherung zahlen musst – sollten deine Einnahmen sehr hoch sein – lohnt es sich aus finanziellen Gründen, eine private Krankenversicherung abzuschließen. Hier schließt sich dann direkt der zweite Punkt an, denn du kannst die finanziellen Vergünstigungen mit besseren Leistungen kombinieren, die dir die GKV nicht liefert. Du bekommst dann oft bessere Leistungen für etwas weniger Geld und liegst nur knapp über dem Basistarif der PKV, aber deutlich unter dem Höchstbetrag der GKV.
Krankentagegeld für Selbstständige: Ein wichtiges Thema
Wenn du selbstständig bist und nicht arbeiten kannst, zahlt keiner deinen Lohn, wie es bei einem Angestellten der Fall ist. Da du deinen Verdienstausfall selbst kompensieren musst, ist es wichtig in der privaten Krankenversicherung genaustens festzulegen, ab wann und wie viel Krankentagegeld ausgezahlt werden soll. Dass die PKV Krankentagegeld zahlen sollte, ist auf jeden Fall ein sehr wichtiger Punkt für sich, sobald du selbstständig arbeitest. Die frühzeitige Auszahlung ist ebenso wichtig, damit du in keine finanziellen Schwierigkeiten gerätst.
Normalerweise gilt es, dass dein Krankentagegeld nicht höher als dein Nettoeinkommen sein darf. Die meisten Versicherungen nehmen hier deinen Durchschnittsverdienst der letzten 12 Monate. Sollten sich deine Einnahmen also reduzieren, gib auf jeden Fall deiner Versicherung Bescheid.
Private Krankenkasse im Alter
Die medizinische Versorgung ist ja bekanntlich im Alter sehr wichtig. Da sich der Beitrag einer privaten Krankenkasse vor allem am Alter und am Gesundheitsstatus einer Person misst, ist es normal, dass die Beiträge im Alter steigen. Während der Monatsbeitrag in jungen Jahren noch niedrig war, wird er aber im Alter auch nicht automatisch unbezahlbar. Mit der richtigen Planung und dem richtig gewählten Tarif kannst du vermeiden, dass du deine PKV im Alter nicht mehr zahlen kannst und dir die steigenden Gesundheitskosten somit über den Kopf wachsen. Mehr Informationen zu diesem Thema findest du in unserem Beitrag „Private Krankenversicherung im Alter“.
Privat versichern, oder nicht? – Es liegt an dir
Wenn du die Voraussetzung erfüllst und komplett selbstständig arbeitest, liegt es an dir, ob du eine private Versicherung abschließt oder lieber bei der gesetzlichen bleibst. Die gesetzliche Krankenkasse ist für die meisten Menschen so lange von Vorteil, bis sie sehr hohe Monatsbeiträge zahlen müssen und die Kombination aus Beiträgen und Leistungen nicht mehr gerechtfertigt ist. Oft lohnt es sich dennoch, schon am Anfang der Selbstständigkeit nach einer privaten Versicherung zu schauen. Je länger man in eine PKV einzahlt und mit sogenannten Rückstellungen für das Alter vorsorgt, je größer die Summe an „angespartem“ Geld, die nachher die hohen Kosten ausgleicht.
Wie hoch ist der GKV-Beitrag für Selbstständige?
Wenn du als Selbstständiger in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) bist, richtet sich dein Beitrag nicht nach einem „Tarif“, sondern nach deiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit – vereinfacht gesagt: nach deinem monatlichen Einkommen (bzw. den beitragspflichtigen Einnahmen laut Krankenkasse).
Wovon hängt die Höhe ab?
Typisch entscheidend sind:
- deine beitragspflichtigen Einnahmen (nicht nur Gewinn aus Selbstständigkeit, je nach Kasse z. B. auch weitere Einkünfte)
- der Beitragssatz Krankenversicherung (allgemeiner Satz plus kassenindividueller Zusatzbeitrag)
- ob du Krankengeld absicherst (in der GKV oft über Wahltarif/Optionen)
- Pflegeversicherung kommt zusätzlich dazu (separater Beitrag)
Was bedeutet das praktisch?
- Bei niedrigerem monatlichen Einkommen zahlst du weniger.
- Bei sehr hohem Einkommen stößt du an eine Obergrenze (Beitragsbemessungsgrenze) und zahlst den Höchstbeitrag – unabhängig davon, ob du noch mehr verdienst.
- Wichtig: In der GKV ist die monatliche Zahlung regelmäßig fix (Abschlag), später kann es – je nach Nachweis/Änderung der Einnahmen – zu Anpassungen kommen.
Welche PKV ist die „beste“ für Selbstständige?
Die „beste“ private Krankenversicherung gibt es nicht pauschal – die beste PKV ist die, die zu deiner Situation passt: Budget, Gesundheitszustand, gewünschte Leistungen, Risikobereitschaft und Planung fürs Alter.
Die wichtigsten Kriterien (statt Anbieter-Bauchgefühl)
Achte bei der Auswahl vor allem auf diese Punkte:
- Ambulante Behandlung: Welche Leistungen sind wirklich abgesichert? (z. B. Facharzt, Diagnostik, Heilmittel, Psychotherapie-Regelungen)
- stationäre Leistungen (Ein-/Zweibettzimmer, Chefarzt, freie Klinikwahl – falls gewünscht)
- Zahn (Erstattungssätze, Zahnersatz, Prophylaxe)
- Selbstbehalt: senkt Beitrag, erhöht aber dein Kostenrisiko
- Beitragsstabilität & Tarifqualität (nicht nur „günstig“ starten)
- Krankentagegeld (für Selbstständige oft entscheidend)
- Optionstarife / Wechseloptionen innerhalb der PKV
- klare Bedingungen im Kleingedruckten (Leistungsbegrenzungen, Erstattungslogik, Hilfsmittel)
Ratings sinnvoll nutzen – aber richtig
Ein Rating kann helfen, Tarife vorzuselektieren. Wichtig: Ratings ersetzen keine Bedarfsanalyse, zeigen aber oft strukturiert, wie leistungsstark ein Tarif im Marktvergleich ist.
Sonderfälle: nebenberuflich, Freiberufler, GmbH/UG-Geschäftsführer
Bei Selbstständigen entscheidet oft nicht nur „selbstständig ja/nein“, sondern wie genau du arbeitest – und welcher Status rechtlich/sozialversicherungsrechtlich greift.
Nebenberuflich selbstständig
Wenn du neben deiner Selbstständigkeit auch angestellt bist, ist entscheidend:
- Was ist dein Hauptstatus (hauptberuflich angestellt vs. hauptberuflich selbstständig)?
- Wie hoch ist dein Einkommen aus dem Angestelltenverhältnis (Stichwort Versicherungspflicht / Wechseloptionen)?
Je nach Konstellation kann PKV möglich sein – oder du bleibst (zwingend) im System der Pflichtversicherung.
Freiberufler vs. Gewerbetreibende
Für die Frage „PKV oder GKV möglich?“ ist oft weniger die Berufsbezeichnung entscheidend, sondern:
- ob du als Selbstständiger grundsätzlich versicherungsfrei bist (meist ja)
- wie dein Status gegenüber der Kasse bewertet wird
Inhaltlich gilt: Freiberufler haben grundsätzlich ebenfalls die Wahl zwischen GKV und PKV.
GmbH/UG-Geschäftsführer
Bei (Gesellschafter-)Geschäftsführern ist die zentrale Frage:
- bist du sozialversicherungspflichtiger Angestellter der eigenen GmbH/UG oder versicherungsfrei?
Das hängt u. a. an Beteiligung, Einfluss/Weisungsgebundenheit und Vertragsgestaltung. Hier lohnt sich fast immer eine saubere Statusklärung, bevor du eine Entscheidung zur Krankenversicherung triffst.
Der Verbraucher hat im Endeffekt immer die Qual der Wahl! Solltest du dir jetzt unsicher sein, ob eine private Absicherung das richtige für dich ist oder auch einen Wechsel zur PKV schon länger in Erwägung ziehen, dann scheue dich nicht und kontaktiere uns für einen ersten Beratungstermin. Wir beraten dich unabhängig und geben dir die wichtigsten Informationen, damit du den optimalen Tarif in einer PKV findest. Ein hohes Leistungsniveau sollte hier immer der wichtigste Grund für den Wechsel in eine private Krankenversicherung sein, denn Gesundheit steht ja bekanntlich an erster Stelle.
FAQ
Kann man als Selbstständiger privat versichert sein?
Ja. Selbstständige können in Deutschland grundsätzlich in die PKV, da sie in der Regel nicht der Versicherungspflicht in der GKV unterliegen. Ausnahme-/Sonderkonstellationen (z. B. nebenberuflich selbstständig + angestellt) sollten separat geprüft werden.
Was kostet eine PKV als Selbstständiger?
Das ist stark abhängig von:
- Eintrittsalter, Gesundheitsprüfung, Leistungsniveau
- Selbstbehalt, gewünschte Bausteine
- Krankentagegeld und ggf. weitere Absicherungen
Grob liegen viele Einstiege (je nach Profil) häufig im Bereich „mehrere hundert Euro monatlich“ – belastbar wird es erst mit Angebot/Tarifvergleich.
Was ist die beste PKV für Selbstständige?
Die beste PKV ist die, die:
- die gewünschten Leistungen (v. a. ambulante Behandlung) sauber absichert,
- ein passendes Preis-Leistungs-Verhältnis hat,
- langfristig planbar ist (inkl. Alter)
Ratings (z. B. Franke und Bornberg) können bei der Orientierung helfen, ersetzen aber keine individuelle Auswahl.
Wie viel zahlt man KV, wenn man selbstständig ist?
In der GKV hängt die monatliche Zahlung primär vom monatlichen Einkommen ab (bis zur Beitragsbemessungsgrenze) und vom Beitragssatz Krankenversicherung (inkl. Zusatzbeitrag) plus Pflegeversicherung.
In der PKV hängt der Beitrag primär von Alter, Gesundheit und Tarif ab – nicht vom Einkommen.
Kann ich zurück in die GKV wechseln?
Das kann möglich sein, ist aber an Bedingungen geknüpft (z. B. Wechsel in ein sozialversicherungspflichtiges Angestelltenverhältnis, Einkommens-/Statusänderung). Je länger man privat versichert ist und je nach Alter/Konstellation, desto schwieriger kann es werden. Das sollte man vor dem PKV-Wechsel strategisch mitdenken.
Was ist mit Familie/Kinder/Mutterschutz?
Familie/Kinder: In der GKV gibt es häufig die beitragsfreie Familienversicherung (wenn Voraussetzungen erfüllt sind). In der PKV braucht in der Regel jede Person einen eigenen Vertrag – das kann mit Kindern/Partner deutlich ins Gewicht fallen.
Mutterschutz/Elternzeit: Hier ist wichtig, wie Einkommensausfälle abgefedert werden und wie der Beitrag weiterläuft. Gerade für Selbstständige ist die Kombination aus Krankenversicherung und Verdienstausfall-Absicherung ein zentraler Punkt.

