Eigentlich sollte man meinen, dass eine Hausratversicherung ganz einfach ist, oder? Die meisten Versicherer kalkulieren dir einen Vertrag mit einer Versicherungssumme von 650 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Die meisten Kunden haben dabei nicht auf dem Schirm, wieviel der eigene Hausrat eigentlich wert ist, wenn sie ihn heute in Gänze neu kaufen müssten bzw. wie schnell man mit pauschalen Angeboten in eine Unterversicherung kommt und dass ein vertraglich vereinbarter Unterversicherungsverzicht nur oberflächlich Sicherheit bietet. Im Folgenden Ratgeber erfährst du alles was zum Thema Versicherungssumme Hausrat wichtig ist.
Klassische Vertragsgestaltung einer Hausratversicherung
Im Dschungel unterschiedlichster Versicherungen gilt die Hausratversicherung als vergleichsweise unkompliziertes Produkt. In den meisten Fällen und hier vor allem auf Vergleichsportalen genügt es, die eigene Wohnfläche anzugeben und schon wird anhand der oben erwähnten Quadratmeterpauschale eine Versicherungssumme berechnet und ein Beitrag ausgeworfen.
Auch wenn die Quadratmeterpauschalen von Anbieter zu Anbieter leicht variieren, liegen sie marktübergreifend doch seit Jahrzehnten bei ca. 650 Euro und werden in den meisten Fällen noch durch eine beitragsfreie Vorsorgeversicherung von 10% ergänzt. Im Grunde leistet der Versicherer also im Schadenfall mit bis zu 10% über die eigentlich vereinbarte Versicherungssumme hinaus um Veränderungen des Hausrates nach Vertragsabschluss abzufedern. Bei guten Anbietern, kann die Vorsorge dabei durchaus 20 % oder 30 % betragen.
Kalkulierst du so deine Versicherungssumme in der Hausratversicherung, kommst du bei 100 Quadratmetern Wohnfläche auf eine pauschale Versicherungssumme von 65.000 Euro. Inkludiert man die 10 % Vorsorge, kämen wir also auf eine maximale Entschädigung im Schadensfall von 71.500 Euro.
Versicherungssumme Hausrat richtig ermitteln
Wie schnell es mit einer Versicherungssumme Hausrat von 71.500 Euro in einer 100 Quadratmeterwohnung eng werden kann, möchte ich im Folgenden gerne mal aufzeigen.
Eine Hausratversicherung ist stets eine Neuwertversicherung, soll also die Kosten einer Neuanschaffung im Schadenfall absichern. Eine durchschnittliche Küche im mittleren Preissegment liegt heute häufig zwischen 15.000 und 25.000 Euro. Hinzu kommen noch Anschaffungskosten für das komplette Inventar der Küche wie Geschirr, Besteck, Gläser, Töpfe, Pfannen, hochwertige Messer, Schüsseln, Kaffeemaschine, Mixer, Toaster, Lampen, Deko oder Tisch und Stühle. Auch bei einer durchschnittlichen Qualität, kommen wir hier gut und gerne auf weitere 5.000 Euro oder mehr.

Werfen wir als nächstes einen Blick ins Schlafzimmer. In den meisten Fällen kommen wir hier schnell auf das Bett, die Matratzen, Lattenroste, Kleiderschrank, Kommode, Nachttische und Teppiche. In den allermeisten Fällen bewegen sich meine Kunden hier in einem Bereich jenseits der 5.000 Euro bis hin zu 15.000 Euro bei z.B. besonders hochwertigen Matratzen. Im Falle eines Kinderzimmers liegt der Wert je nach Kindesalter und Qualität gerne zwischen 5.000 und 10.000 Euro für Möbel, Spielzeug, Technik usw.
Besonders ins Gewicht fallen aber nicht nur die Möbel, sondern vor allem auch der häufig unterschätzte Punkt Kleidung. Ich habe mir hier mal einen Spaß gemacht und alle meine Mitarbeiter gebeten, den eigenen Kleidungsschrank mal zu schätzen. Aussagen wie „ich kaufe immer im Sale“ oder „ich habe ja nichts besonders hochwertiges“ waren die Regel und nicht die Ausnahme. Im nächsten Schritt habe ich die gleichen Mitarbeiter dann gebeten, mal jedes Kleidungsstück im Schrank in die Hand zu nehmen und den heutigen Neupreis in eine Exceldatei zu schreiben.
Ich mache es kurz, kein einziger Mitarbeiter kam auf einen Wert für sich selbst unterhalb von 15.000 Euro, wobei Schuhe noch nicht einmal inbegriffen waren. Bei Kindern würde ich je nach Alter und Größe der Sportausrüstung einen Wert von 3.000 bis 8.000 Euro für realistisch erachten.
Kommen wir als nächstes ins Wohnzimmer. Mit Blick auf Sofa, Wohnwand, Fernseher, Stereo-Anlage, Couchtisch, Teppiche, Beleuchtung, Bilder und Fernseher oder sonstige Unterhaltungselektronik wie Spielekonsolen etc. liegen wir in den allermeisten Fällen zwischen 10.000 Euro und 20.000 Euro.
Rechnen wir dann sonstige Haushaltsgeräte, Computer, Tabletts, Smartphones, Werkzeuge, Fahrräder, Lampen, Dekoartikel, Bücher, Lebensmittel, Sportartikel oder Waschmaschine und Trockner mit dazu, kommen gut und gerne schnell nochmal 10.000 bis 25.000 Euro obendrauf.
Und wer bis zum jetzigen Zeitpunkt mal mitgerechnet hat, der merkt relativ schnell, dass selbst ohne Luxusausstattung, Schmuck oder sonstigen Wertgegenständen eine Versicherungssumme Hausrat in einem Drei-Personen-Haushalt von 71.500 Euro schnell an seine Grenzen stößt. Selbst unter der Annahme, dass ich mit meiner zuvor beschriebenen Einschätzung eher schon eher zurückhaltend war, liegen wir hier bei mindestens 85.000 Euro bis maximal 120.000 Euro.
Makler und Beratungspflichten
Als Kunde darf man aus meiner Sicht durchaus mal kritisch hinterfragen warum die meisten Versicherer und vor allem Makler am Markt noch immer mit pauschalen 650 Euro pro Quadratmeter arbeiten, wenn es um die Versicherungssumme Hausrat geht.
Angesichts teils massiven Inflationsraten vergangener Jahre und damit einhergehenden Preissteigerungen bei Möbeln, Textilien, Elektrogeräten uns eigentlich aller Konsumgüter, bedarf es hier eindeutig mehr Aufklärung durch die jeweiligen Versicherungsspezialisten. Die Frage die du dir hier gerne stellen kannst ist, wie oft hat dein persönlicher Ansprechpartner in den letzten Jahren deine Versicherungssumme in der Hausratversicherung auf den Prüfstand gestellt? Gar nicht? Dann melde dich gerne mal bei uns und wir schauen uns das etwas genauer an.
Denn eines ist klar, stimmt die Versicherungssumme nicht mit dem tatsächlichen Wert deines Hausrates überein, hast du im Schadenfall ein Problem. Da hilft auch kein vertraglich vereinbarter Unterversicherungsverzicht. Dieser regelt nämlich nur, dass der Versicherer in kleineren Schadenfällen nicht auf eine eventuelle Unterversicherung prüft.
Scheinbare Sicherheit durch Unterversicherungsverzicht
Lass mich Dir an einem Beispiel erklären, was der Unterversicherungsverzicht genau macht, wann er dir hilft und wann eben auch nicht.
Nehmen wir als Beispiel einen Kunden mit einer Versicherungssumme von 50.000 Euro und einem Wert des gesamten Hausrates von 100.000 Euro. Um es möglichst einfach zu machen, lassen wir die vertraglich vereinbarte Vorsorgeversicherung in diesem Beispiel mal außen vor.
Schadenbeispiel 1
Im ersten Fall gehen wir davon aus, dass der Kunde mindestens 650 Euro Versicherungssumme pro Quadratmeter Wohnfläche versichert hat und der Schaden bei 25.000 Euro liegt. In diesem Beispiel greift der Unterversicherungsverzicht und der Kunde bekommt den kompletten Schaden, also 25.000 Euro ausgezahlt bekommt.
Schadenbeispiel 2
Im zweiten Fall hat der Kunde keine 650 Euro Versicherungssumme pro Quadratmeter Wohnfläche versichert und der Schaden liegt ebenfalls bei 25.000 Euro. In diesem Beispiel würde der Versicherer mangels Unterversicherungsverzicht im Verhältnis Wert des Hausrates zur Versicherungssumme quoteln.
Da der Wert des Hausrates insgesamt 100.000 Euro beträgt, die Versicherungssumme jedoch lediglich bei 50.000 Euro liegt, würde sich der Versicherer fragen, welche Hälfte des Hausrates der Kunde genau versichert hat. Die linke oder die rechte, die im Erdgeschoss oder doch eher im Obergeschoss.
Die Auszahlung erfolgt hier ohne Unterversicherungsverzicht im Verhältnis 1:2 und der Kunde bekommt lediglich 12.500 Euro ausgezahlt.
Schadenbeispiel 3
Werfen wir im dritten Beispiel einen Blick auf die Grenzen des Unterversicherungsverzichtes in der Hausratversicherung. Nehmen wir das oben beschriebene Beispiel und setzen voraus, dass der Kunde einen Wert von 100.000 Euro im Haus hat, die Versicherungssumme Hausrat jedoch lediglich bei 50.000 Euro liegt. Jetzt kommt ein Schaden, bei dem das komplette Haus abbrennt, der Schaden also bei 100.000 Euro liegt. In diesem Fall zahlt der Versicherer lediglich die vereinbarten 50.000 Euro (zzgl. Vorsorge) aus.
Der Kunde bleibt also auf einem Großteil des Schadens sitzen. Unterversicherungsverzicht bedeutet also lediglich, dass wenn er vereinbart ist, der Versicherer bei Schäden bis zu vereinbarten Versicherungssumme Hausrat keine Prüfung auf Unterversicherung vornimmt und den entstandenen Schaden auszahlt. Liegt der Schaden oberhalb der Versicherungssumme, muss der Kunde den darüberliegenden Anteil des Schadens selbst tragen. Ein Unterversicherungsverzicht hebt also keine Leistungsgrenze auf.
Hier liegt im Übrigen auch der Unterschied zur Wohngebäudeversicherung bei der ein Unterversicherungsverzicht in guten Tarifen bedeutet, dass der Versicherer auch über eine eigentlich vereinbarte Grenze hinaus zahlt und das Gebäude so wieder aufbaut, wie es vorher war (nach gleicher Art und Güte).
Ermittlung Versicherungssumme Hausrat
Für Kunden und damit auch Versicherungsmakler oder Versicherungsvertreter ist es in der Praxis nicht ganz einfach, die richtige Versicherungssumme Hausrat zu ermitteln. In vielen Fällen ist diese Frage mehr als nur eine technische Detailfrage, sie ist Haftungsrelevant.
Spätestens im Falle eines Totalschadens nach einem Brand, wird der Versicherer eine eventuelle Unterversicherung prüfen und in den allermeisten Fällen dürfte es für einen Kunden schwierig werden, die Haftung des Maklers nachzuweisen. Außerdem suggeriert der Begriff „Unterversicherungsverzicht“ eine falsche Sicherheit auf den sich viele Kunden verlassen.
Doch wie ermittelst du die richtige Versicherungssumme Hausrat in deinem Fall. Die fachlich beste Lösung ist mit Sicherheit, sich jeden einzelnen Gegenstand in deiner Wohnung mit dem jeweiligen Wiederbeschaffungswert in einer Excelliste zu notieren und das Ganze zu einer Versicherungssumme Hausrat zu addieren. Das ist nicht nur sehr aufwendig, sondern in der Praxis in vielen Fällen nicht machbar.
Alternativ rate ich meinen Kunden, zumindest die oben beschriebenen Punkte pro Zimmer zu addieren und sich so der richtigen Versicherungssumme Hausrat anzunähern. Das aber selbst das in der Praxis von vielen unserer Makler- bzw. Vertreterkollegen nicht gemacht wird, zeigen unzählige Schadenbeispiele aus der Vergangenheit.
Im Übrigen wird häufig übersehen, dass eine pauschale Wertermittlung zur Versicherungssumme Hausrat ja in beide Richtungen von der Realität abweichen kann. So kommt es in der Praxis nicht nur zu Unterversicherungen sondern auch zu Überversicherungen. Eine nur spärlich eingerichtete 100 qm-Wohnung mit billigen Möbeln und großen Freiflächen braucht unter Umständen keine pauschale Versicherungssumme von 65.000 Euro. Vielleicht genügen auch 30.000 Euro und du bist mit der pauschalen Wertermittlung deutlich überversichert, zahlst also auch zu viel Beitrag.
Sublimits beachten
Für Wertsachen, Schmuck, Bargeld, Fahrräder oder in der Außenversicherung gibt es häufig vertraglich vereinbarte Sublimits welche den Schutz für diese Gegenstände oder Orte begrenzen.
Achte bitte unbedingt auf die jeweiligen Bedingungen in deinem Vertrag und prüfe, in welcher Höhe diese auch im unverschlossenen Zustand (also außerhalb eines geeigneten Tresors) mitversichert sind und ob dir die Summe deiner Außenversicherung (z.B. im Falle eines Einbruchs in dein Hotelzimmer) ausreicht.
Fazit Versicherungssumme Hausrat
Die richtige Versicherungssumme zu ermitteln, ist nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint. In den allermeisten Fällen in denen ich ein Vergleichsangebot machen soll, kommen wir auf eine Abweichung von mehreren 10.000 Euro und damit auch einer deutlichen Unterversicherung.
Für eine Hausratversicherung zahlst du unter Umständen längere Zeit einen Beitrag und dann soll der Vertrag im Schadenfall bitte auch das halten, dass er verspricht. Ich kann dir nur raten, dir immer die Hilfe eines Spezialisten zu suchen. Dieser hilft dir nicht nur, bei der Ermittlung der richtigen Versicherungssumme Hausrat, sondern begleitet dich auch im Schadenfall und kümmert sich darum, dass ein einmal gemachtes Leistungsversprechen eingehalten wird.

